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Thrombosespritze nach OP: Wann notwendig und wie lange spritzen?

Eine Operation stellt für den menschlichen Körper immer einen erheblichen Eingriff dar. Neben der primären Wundheilung, den unvermeidbaren postoperativen Schmerzen und der anschließenden Rehabilitation gibt es ein unsichtbares Risiko, das viele Patienten zunächst völlig unterschätzen: die Entstehung einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) und die daraus resultierende, potenziell lebensbedrohliche Lungenembolie.

Um diese schweren und tückischen Komplikationen proaktiv zu verhindern, wird nach den allermeisten chirurgischen Eingriffen eine medikamentöse Thromboseprophylaxe verordnet – im Volksmund meist einfach und respektvoll als „Thrombosespritze“ bekannt.

Wenn Sie nach einer Operation eine Thrombosespritze benötigen, sollten Sie ganz genau wissen, wie Sie diese richtig anwenden, um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden. Eine falsche Anwendung kann beispielsweise zu großen Blutergüssen oder einer erhöhten Blutungsneigung führen. Solche unerwünschten Reaktionen des Körpers kennt man auch von anderen medizinischen Befunden, beispielsweise wenn Organe entzündet sind und der Amylasewert zu hoch ist, was ebenfalls den Stoffwechsel durcheinanderbringt.

Doch ab wann genau ist dieser tägliche Piks in den Bauch oder den Oberschenkel wirklich medizinisch zwingend notwendig? Wie lange müssen Sie die Spritzen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause in Eigenregie fortführen, und welche persönlichen Risikofaktoren spielen bei der ärztlichen Entscheidung eine Rolle? In diesem umfassenden, auf aktuellen medizinischen Leitlinien basierenden Ratgeber beantworten wir alle wichtigen Fragen rund um die Thromboseprophylaxe, die korrekte Selbstanwendung und mögliche Wechselwirkungen.

Was ist eine Thrombosespritze und wie genau wirkt sie im Körper?

Die sogenannten Thrombosespritzen, die Sie in der Klinik erhalten, enthalten in der Regel sogenanntes niedermolekulares Heparin (NMH). Bekannte Markennamen, die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt auf Rezept mit nach Hause bekommen, sind beispielsweise Clexane, Fraxiparine, Innohep oder Mono-Embolex. Heparin ist ein hochwirksamer Arzneistoff, der massiv und gezielt in die körpereigene Blutgerinnung eingreift.

Nach einer Operation oder einer schweren Verletzung startet der Körper sofort eine natürliche und an sich lebensrettende Abwehrreaktion, um die Blutung an der frischen Operationswunde schnellstmöglich zu stoppen: Die Blutgerinnungskaskade läuft auf Hochtouren. Diese eigentlich schützende Funktion kann jedoch extrem gefährlich werden, wenn das Blut auch innerhalb der intakten, unverletzten Blutgefäße (meist in den Beinen) verklumpt.

Das in der Spritze enthaltene Heparin hemmt gezielt ganz bestimmte Gerinnungsfaktoren im Blut (vor allem den sogenannten Faktor Xa) und sorgt zuverlässig dafür, dass das Blut ausreichend fließfähig bleibt.

Da das Medikament subkutan – also direkt in das fetthaltige Unterhautgewebe – injiziert wird, bildet sich dort ein kleines Wirkstoffdepot. Dieses gibt das Heparin extrem langsam und gleichmäßig an den Blutkreislauf ab. Dadurch wird eine kontinuierliche, schützende Wirkung über einen Zeitraum von rund 24 Stunden hinweg gewährleistet.

Warum ist die Thromboseprophylaxe nach Operationen so extrem wichtig?

Eine Thrombose entsteht in den allermeisten Fällen in den tiefen, großen Venen der Waden, Oberschenkel oder des Beckens. Dass dieses Risiko unmittelbar nach Operationen nahezu exponentiell ansteigt, lässt sich in der Medizin durch die sogenannte Virchow-Trias erklären. Der berühmte deutsche Arzt Rudolf Virchow definierte bereits im 19. Jahrhundert drei Hauptfaktoren, die die Entstehung von Blutgerinnseln im Körper begünstigen.

Das Fatale: Alle drei Faktoren können nach einer OP gleichzeitig eintreten:

  1. Verlangsamter Blutfluss (Stase): Durch die tiefe Narkose, die Bettlägerigkeit in den ersten Tagen im Krankenhaus oder die Ruhigstellung eines verletzten Beins in einer starren Schiene oder einem Gips fällt die sogenannte Wadenmuskelpumpe komplett aus. Diese Muskeln pressen normalerweise bei jedem einzelnen Schritt das venöse Blut kräftig gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen. Steht das Blut jedoch regungslos in den Venen, gerinnt es wesentlich schneller.
  2. Gefäßwandschäden (Endothelschäden): Durch den chirurgischen Eingriff selbst, durch scharfe Wundhaken, das Einsetzen von großen Prothesen oder durch das stundenlange Abklemmen der Blutzufuhr während der OP können die empfindlichen inneren Wände der Blutgefäße mikroskopisch kleine Risse erleiden. An diesen rauen, verletzten Stellen lagern sich extrem schnell klebrige Blutplättchen an.
  3. Erhöhte Gerinnungsneigung: Als akute Stressreaktion auf das Operations-Trauma schüttet der Körper vermehrt gerinnungsfördernde Botenstoffe und Enzyme aus.

Das eigentliche Horrorszenario, vor dem Chirurgen warnen, tritt ein, wenn sich ein solches frisches Blutgerinnsel (Thrombus) plötzlich von der Venenwand löst. Es wandert dann rasend schnell mit dem Blutstrom durch die rechte Herzhälfte und verstopft schließlich eine lebenswichtige Arterie in der Lunge. Diese Lungenembolie ist ein akuter medizinischer Notfall, der unbehandelt zum Tod führen kann.

Die präventive Thrombosespritze kann dieses Szenario hochgradig zuverlässig verhindern.

Es ist daher essenziell, dass Sie den ärztlichen Anweisungen folgen und die Therapie ernst nehmen. Bei Unklarheiten in der Medikation sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Auch bei anderen laborgeprüften Risikomarkern raten Ärzte zur Vorsicht. So ist es beispielsweise auch unerlässlich zu wissen, welche weiteren Zellzerfälle im Körper vorliegen; deshalb prüfen Ärzte oft erhöhte LDH-Werte Ursachen, um das gesamte Gesundheitsbild des Patienten nach schweren Eingriffen richtig einzuordnen.

Wann ist eine Thrombosespritze nach der OP wirklich zwingend notwendig?

Ob Sie nach Ihrem Eingriff Thrombosespritzen benötigen und wie stark das Heparin dosiert wird, wird von den Ärzten nicht willkürlich oder pauschal entschieden. Die Mediziner richten sich hierbei nach der aktuellen und strengen S3-Leitlinie zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie (AWMF). Diese sieht eine exakte Risikobewertung vor, die operationsspezifische und patientenspezifische Faktoren miteinander kombiniert.

Operationsspezifische Risikofaktoren

  • Hohes Risiko (Prophylaxe absolut obligatorisch): Große orthopädische Eingriffe an den unteren Extremitäten (wie der Knie- oder Hüftgelenksersatz / TEP), komplizierte Oberschenkelhalsbrüche, große Bauch- und Beckenoperationen (z. B. Darmentfernungen) sowie umfangreiche neurochirurgische oder tumorchirurgische Eingriffe, die stundenlang dauern.
  • Mittleres Risiko (Prophylaxe fast immer empfohlen): Arthroskopische Eingriffe (Gelenkspiegelungen am Knie), minimalinvasive Bauchoperationen (Laparoskopie, wie etwa die Gallenblasenentfernung), Kaiserschnitte bei Schwangeren oder Operationen an der Wirbelsäule (Bandscheiben-OPs).
  • Geringes Risiko (Prophylaxe nur bei Zusatzrisiken): Kleine Eingriffe an den Armen oder Händen (z. B. Karpaltunnelsyndrom), Augen-OPs (Grauer Star) oder sehr kurze ambulante Eingriffe bei Patienten, die noch am selben Tag wieder aufstehen und voll mobil sind.

Patientenspezifische Risikofaktoren (Disposition)

Selbst bei einer winzigen Operation oder gar nur bei einer starken Prellung mit Gips kann eine Thromboseprophylaxe zwingend notwendig werden, wenn der Patient bestimmte persönliche gesundheitliche Risikofaktoren aufweist. Dazu zählen unter anderem:

  • Fortgeschrittenes Lebensalter (insbesondere über 60 Jahre)
  • Starkes Übergewicht (Adipositas mit einem BMI > 30)
  • Aktive, bösartige Krebserkrankungen
  • Eine bereits in der Vergangenheit durchgemachte Thrombose oder Lungenembolie
  • Bekannte genetische Blutgerinnungsstörungen (Thrombophilie, wie z. B. die APC-Resistenz / Faktor-V-Leiden-Mutation)
  • Einnahme von stark östrogenhaltigen Präparaten (Antibabypille oder Hormonersatztherapie in den Wechseljahren)
  • Starkes Rauchen oder Krampfaderleiden (Varikosis)

Wie lange muss die Thrombosespritze nach der OP gegeben werden?

Die Dauer der Injektionen ist eine der häufigsten – und wichtigsten – Fragen bei der Entlassung aus der Klinik. Ein absolut fataler Fehler, der leider häufig vorkommt, ist es, die Spritzen zu Hause eigenmächtig absetzen, nur weil man sich bereits wieder „fit“ fühlt oder keine Schmerzen mehr hat. Die Therapiedauer richtet sich streng nach dem Operationsgebiet und der individuellen Heilungsphase.

Dauer bei Knie- und Hüftgelenksersatz (Endoprothetik)

Nach dem Einsetzen von großen künstlichen Gelenken ist das Thromboserisiko auch viele Wochen nach der Operation noch massiv erhöht, da das Gewebe im Inneren noch lange heilt. Gemäß der S3-Leitlinie wird hier eine verlängerte Prophylaxe über 28 bis 35 Tage (also 4 bis 5 Wochen) nach dem Eingriff empfohlen. Dies gilt ausdrücklich auch dann, wenn Sie sich bereits in der Reha-Klinik befinden und das betroffene Bein bei den Übungen zunehmend voll belasten können.

Dauer bei Knie-Arthroskopie und Meniskus-OPs

Nach typischen, meist ambulanten arthroskopischen Eingriffen am Knie (Kreuzbandplastik) oder bei Operationen, nach denen Sie das Bein an Unterarmgehstützen (Krücken) entlasten müssen, beträgt die Therapiedauer in der Regel 7 bis 14 Tage. Als ärztliche Faustregel gilt hier fast immer: Die Thromboseprophylaxe wird exakt so lange durchgeführt, wie eine Teilbelastung oder Ruhigstellung zwingend erforderlich ist.

Erst wenn der Patient wieder sein volles Körpergewicht ohne Krücken schmerzfrei auf das betroffene Bein bringen kann und ein normales Gangbild zeigt, dürfen die Spritzen weggelassen werden.

Dauer bei bauch- und tumorchirurgischen Eingriffen

Nach normalen, unkomplizierten Eingriffen im Magen-Darm-Trakt dauert die medikamentöse Prophylaxe im Normalfall rund 7 Tage beziehungsweise einfach so lange, bis zur vollständigen, eigenständigen Mobilisierung des Patienten (z. B. spazieren gehen auf dem Krankenhausflur). Bei großen, ausgedehnten Tumoroperationen im Bauch- und Beckenraum weisen medizinische Langzeitstudien jedoch auf ein langanhaltendes Thromboserisiko hin. Hier verordnen Onkologen und Chirurgen oft eine deutlich verlängerte Prophylaxe von mindestens 28 Tagen (4 Wochen) nach Entlassung.

Dauer bei Knochenbrüchen und Gipsverbänden

Wenn ein Bein aufgrund einer Fraktur (z. B. Sprunggelenksbruch, Fußwurzelbruch) oder eines Sehnenrisses (z. B. Riss der Achillessehne) in einem Gips, einer starren Kunststoffschiene (Orthese) oder einem dicken Walker-Schuh ruhiggestellt ist, fällt die rettende Muskelpumpe in der Wade fast komplett aus. In diesen Fällen muss die Thrombosespritze meist für die gesamte Dauer der ärztlich verordneten Ruhigstellung täglich angewendet werden, was sehr oft 4 bis sogar 6 Wochen in Anspruch nimmt.

Die richtige Anwendung: Wie spritzt man Heparin völlig schmerzfrei selbst?

Da die Verweildauer der Patienten in deutschen Krankenhäusern aus Kostengründen immer kürzer wird, gehört die Selbstanwendung von Heparin-Fertigspritzen mittlerweile für Millionen von Patienten zum postoperativen Alltag zu Hause. Viele haben anfangs große Angst davor, sich selbst eine Nadel in die Haut zu stechen. Die gute Nachricht: Die Nadeln dieser Fertigspritzen sind extrem fein, beschichtet und sehr kurz, sodass der Einstich bei richtiger Technik kaum bis gar nicht spürbar ist.

Schritt-für-Schritt Anleitung für die Injektion zu Hause
  1. Hygiene: Waschen Sie sich vor dem Auspacken der Spritze gründlich die Hände mit Seife.
  2. Körperstelle wählen: Optimal und am schmerzärmsten sind die untere Bauchdecke (mit etwa zwei bis drei Fingerbreit Abstand zum Bauchnabel, nicht in alte Narben stechen!) oder die vordere, fleischige Außenseite der Oberschenkel. Wechseln Sie die Einstichstelle täglich (z. B. heute linker Oberschenkel, morgen rechter Oberschenkel, übermorgen Bauch), um schmerzhafte Gewebeverhärtungen zu vermeiden.
  3. Desinfektion: Reiben Sie die gewählte Hautstelle mit einem handelsüblichen Alkoholtupfer ab und lassen Sie die Flüssigkeit kurz (ca. 10 Sekunden) an der Luft verdunsten.
  4. Hautfalte bilden: Nehmen Sie die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger, um eine moderate, etwa zwei Zentimeter dicke Hautfalte zu bilden.
  5. Vorbereitung der Spritze: Entfernen Sie vorsichtig die graue oder transparente Schutzkappe der Nadel. Wichtig: Drücken Sie das kleine, oft sichtbare Luftbläschen in der Spritze auf gar keinen Fall vorher heraus! Es ist absichtlich dort und stellt sicher, dass am Ende der Injektion der komplette, oft teure Wirkstoff restlos ins Gewebe gedrückt wird und nichts in der Nadel verbleibt.
  6. Einstich: Stechen Sie die Nadel in einer schnellen, fließenden Bewegung im 90-Grad-Winkel (also senkrecht) vollständig in die gebildete Hautfalte ein. Bei sehr schlanken Personen mit wenig Bauchfett reicht ein 45-Grad-Winkel.
  7. Wirkstoff injizieren: Drücken Sie den Plastikkolben langsam, ruhig und gleichmäßig bis zum absoluten Anschlag nach unten.
  8. Nadel entfernen: Ziehen Sie die Nadel gerade und ohne zu ruckeln wieder heraus. Lassen Sie erst danach die Hautfalte zwischen Ihren Fingern los. (Die meisten modernen Spritzen verfügen über einen eingebauten Sicherheitsmechanismus, bei dem die Nadel am Ende durch einen festen Druck auf den Kolben automatisch und hörbar in einen sicheren Plastikschutz zurückschnellt – das schützt vor Nadelstichverletzungen).
  9. Nicht reiben: Massieren oder reiben Sie die Einstichstelle anschließend unter keinen Umständen, da dies das Gewebe reizt und sofort zu großen, blauen Flecken (Hämatomen) führt.

Finanzielle Aspekte: Zuzahlungen für Thrombosespritzen in der Apotheke

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erhalten Sie vom Arzt in der Regel ein rosa Kassenrezept für die Thrombosespritzen (meist in Packungsgrößen von 10, 20 oder 50 Stück), die Sie in Ihrer örtlichen Apotheke einlösen müssen. Wie bei den meisten verschreibungspflichtigen Medikamenten fällt auch hier für gesetzlich Versicherte eine gesetzliche Zuzahlung an.

Diese Zuzahlung beträgt in der Regel 10 Prozent des Abgabepreises, jedoch mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro pro Packung. Gerade bei längeren Verordnungen (z.B. über 5 Wochen) und dem zusätzlichen Bedarf an Schmerzmitteln können sich diese Eigenanteile summieren. Wenn Sie in diesem Jahr bereits viele medizinische Ausgaben hatten, lohnt es sich zu prüfen, ob Sie Ihre finanzielle Belastungsgrenze erreicht haben. In diesem Fall können Sie eine Zuzahlungsbefreiung bei der AOK oder Ihrer jeweiligen Kasse beantragen. Für organisatorische und vertragliche Fragen wenden sich Privatpatienten hingegen meist direkt an die Debeka Geschäftsstelle oder die Niederlassung ihres Versicherers.

Ein praktischer Hinweis für den Apothekenbesuch: Um bei der Einlösung des Rezepts oder bei der Dokumentation Ihrer Zuzahlungen Zeit zu sparen, nutzen viele Apotheken mittlerweile moderne Kassensysteme. Oft reicht es aus, wenn das Personal zur Legitimation die Krankenkassenkarte mit Handy auslesen kann oder Sie Ihre elektronische Gesundheitskarte über das Kartenterminal vorlegen.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken von Heparin

Wie bei absolut jedem hochwirksamen, systemischen Medikament gibt es auch bei niedermolekularem Heparin mögliche Begleiterscheinungen. Die meisten davon sind völlig harmlos und verschwinden nach Absetzen der Spritzen schnell wieder. Einige wenige erfordern jedoch sofortiges ärztliches Handeln.

  • Hämatome und leichte Schmerzen: Blaue Flecken rund um die Einstichstelle am Bauch sind die mit Abstand häufigste und absolut harmloseste Nebenwirkung. Auch ein leichtes, ziehendes Brennen direkt während oder kurz nach der Injektion ist durch den sauren pH-Wert der Flüssigkeit völlig normal und kein Grund zur Sorge.
  • Gesteigerte Blutungsneigung: Da die Blutgerinnung durch das Heparin bewusst gehemmt wird, bluten Sie logischerweise bei kleinen Schnittverletzungen (z. B. beim Rasieren) oder bei Zahnfleischbluten etwas länger als gewohnt. Achten Sie jedoch auf ernsthafte Warnsignale: Wenn es zu unerklärlichem, extrem starkem Nasenbluten, tiefschwarzem Stuhl (sogenannter Teerstuhl, der auf Magenblutungen hindeutet), sichtbarem Blut im Urin oder extremen, pulsierenden Nachblutungen an der Operationsnarbe kommt, müssen Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT): Diese Komplikation ist extrem selten, aber hochgradig lebensgefährlich. Bei einer HIT (insbesondere dem gefährlichen Typ II) entwickelt das körpereigene Immunsystem plötzlich Antikörper gegen den Heparin-Komplex. Dies führt zu einem rapiden, sturzflugartigen Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) im Laborbild. Paradoxerweise verblutet der Patient dabei nicht, sondern das Blut verklumpt massiv im ganzen Körper, was schwerste arterielle und venöse Thrombosen (sogar im Gehirn oder an den Armen) auslösen kann. Eine HIT tritt meistens zwischen dem 5. und 14. Tag der Heparin-Anwendung auf. Aus genau diesem Grund ist es vorgeschrieben, dass der Hausarzt bei einer längeren Prophylaxe-Dauer (z. B. nach Knie-TEP) mehrfach per Blutabnahme Ihre Thrombozytenwerte penibel überwacht.

Moderne Alternativen zur Spritze: Gibt es Antikoagulation auch als Tablette?

Für Patienten mit einer echten, diagnostizierten Spritzenphobie oder für solche, die motorisch (z.B. durch Rheuma in den Händen) nicht in der Lage sind, sich selbst zu spritzen, gibt es gute Nachrichten aus der Pharmakologie: Auf dem Gebiet der Antikoagulation haben sich in den letzten Jahren sogenannte DOAK (Direkte orale Antikoagulanzien) fest etabliert.

Wirkstoffe wie Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis) oder Dabigatran (Pradaxa) werden bequem in Tablettenform eingenommen.

Allerdings gibt es einen großen Haken: Diese bequemen Tabletten dürfen derzeit nicht bei allen OPs als Ersatz für die bewährte Spritze eingesetzt werden. Nach dem Einsetzen von großen künstlichen Knie- und Hüftgelenken sind DOAKs mittlerweile eine oft genutzte und völlig leitliniengerechte Standard-Alternative zur Spritze. Bei allgemeinen Bauchoperationen, nach dem Anlegen von Gipsverbänden am Fuß oder nach kleineren Meniskus-Eingriffen fehlt den Herstellern für diese Tabletten jedoch oft noch die offizielle arzneimittelrechtliche Zulassung zur reinen Prophylaxe.

Daher bleibt hier weiterhin das Spritzen von niedermolekularem Heparin aus juristischen und medizinischen Gründen der absolute Goldstandard.

Häufige Fragen (FAQ) zur Thrombosespritze nach Operationen

Was passiert, wenn ich eine Thrombosespritze schlichtweg vergessen habe?

Wenn Sie die geplante Injektion nur um ein paar Stunden vergessen haben, geraten Sie nicht in Panik. Holen Sie diese einfach umgehend nach, sobald es Ihnen einfällt. Fällt Ihnen das Vergessen jedoch erst auf, wenn bereits fast die Zeit für die nächste reguläre Spritze (z.B. am nächsten Morgen) herangerückt ist, verabreichen Sie keinesfalls die doppelte Dosis, um das Versäumnis "auszugleichen".

Dies würde das Blutungsrisiko massiv erhöhen. Fahren Sie stattdessen einfach zur gewohnten Zeit mit der normalen Einzeldosis fort. Im Zweifelsfall kontaktieren Sie telefonisch immer Ihren behandelnden Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Muss die Spritze jeden Tag zur exakt gleichen Uhrzeit gegeben werden?

Ja, Sie sollten dringend einen festen, täglichen Rhythmus beibehalten. Da die schützende Wirkung des niedermolekularen Heparins nach etwa 24 Stunden im Blut langsam nachlässt, sorgt ein Rhythmus von exakt 24 Stunden (mit einer tolerierbaren Schwankung von maximal 1 bis 2 Stunden) dafür, dass keine gefährlichen, ungeschützten "Schutzlücken" in der Blutgerinnung entstehen. Ob Sie sich lieber morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen spritzen, ist medizinisch völlig irrelevant, solange Sie die gewählte Tageszeit bis zum Therapieende konsequent beibehalten.

Kann ich die Spritzen absetzen, sobald ich keine Krücken mehr brauche?

Setzen Sie das Medikament niemals eigenmächtig ab, auch wenn das Laufen schon wieder gut klappt. Bei großen Eingriffen (z. B. künstliches Hüftgelenk) fordert die medizinische Leitlinie eine strikte Einhaltung der medikamentösen Prophylaxe für 28 bis 35 Tage – völlig unabhängig davon, wie hervorragend Sie bereits wieder ohne Gehhilfen laufen können oder ob Sie gar keine Schmerzen mehr haben.

Nur Ihr operierender Chirurg oder Ihr betreuender Hausarzt kann durch eine Untersuchung entscheiden, wann das tatsächliche medikamentöse Risiko endgültig gebannt ist. Sollten Sie Fragen zur Kostenübernahme bei sehr langen Therapien haben, wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Krankenkasse; viele Versicherte der Handelskrankenkasse nutzen hierfür beispielsweise die direkte Handelskrankenkasse HKK Adresse zur Klärung.

Darf ich während der Heparin-Behandlung Alkohol trinken?

Ein moderater Konsum von Alkohol (z. B. ein Glas Wein oder ein Bier zum Abendessen) hat keine direkten biochemischen Wechselwirkungen mit dem Heparin-Molekül selbst. Die Wirkung der Spritze wird also nicht aufgehoben. Allerdings erweitert Alkohol stark die Blutgefäße, was die Blutungsneigung an den frischen Operationswunden theoretisch leicht verstärken kann. Zudem – und das ist das größte Problem – erhöht Alkohol das Sturzrisiko erheblich, was gerade nach orthopädischen Eingriffen am Bein an Krücken unbedingt vermieden werden muss.

Dürfen die Fertigspritzen im Kühlschrank gelagert werden?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die fertigen Heparinspritzen (wie Clexane oder Mono-Embolex) sollten bei ganz normaler Raumtemperatur (unter 25 Grad Celsius) im Schrank gelagert werden. Eine Lagerung im Kühlschrank ist biochemisch nicht erforderlich und wird auch von den Herstellern nicht empfohlen, da kühlschrankkalte Flüssigkeit beim Einspritzen in das Unterhautfettgewebe deutlich mehr brennt und stärkere Schmerzen verursachen kann.

Schützen Sie die Packung lediglich vor extremer, direkter Sonneneinstrahlung im Hochsommer und vor Frost.

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