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LDH erhöht: Was der Wert bedeutet und welche Ursachen möglich sind
LDH (Laktatdehydrogenase) kommt in fast allen Körperzellen vor. Ein erhöhter LDH-Wert weist grundsätzlich auf einen gesteigerten Zellzerfall oder eine Zellschädigung hin, zeigt aber nicht automatisch, welches Organ betroffen ist. Besonders wichtig: Bereits eine Hämolyse der Blutprobe kann die LDH fälschlich erhöhen.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten oder schweren Beschwerden wählen Sie 112; außerhalb der regulären Sprechzeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
LDH erhöht: Was bedeutet der Laborwert?
Die Laktatdehydrogenase (LDH) ist ein Enzym des Energiestoffwechsels und kommt in sehr vielen Geweben vor. Dazu gehören unter anderem Leber, Muskulatur, Herz, Lunge, Nieren und Blutzellen.
Werden Zellen geschädigt oder zerstört, kann LDH ins Blut gelangen. Deshalb ist ein erhöhter Wert zwar empfindlich für Zellschädigungen, aber nicht organspezifisch. Für die Ursachenklärung werden fast immer weitere Laborwerte und die klinischen Beschwerden benötigt.
LDH erhöht
Zeigt einen gesteigerten Zellumsatz oder eine Zellschädigung an, lokalisiert die Ursache aber nicht.
Bis etwa 250 U/l
Viele Labore verwenden bei Erwachsenen einen oberen Referenzwert um 245–250 U/l. Der eigene Laborbefund ist maßgeblich.
Hämolyse beachten
Eine beschädigte Blutprobe kann die LDH deutlich erhöhen, obwohl beim Patienten keine entsprechende Erkrankung vorliegt.
Begleitwerte entscheiden
CK, Leberwerte, Blutbild, Haptoglobin, Bilirubin oder Troponin helfen bei der Zuordnung.
LDH-Normalwert: Welche Referenzbereiche gelten?
LDH-Referenzbereiche unterscheiden sich abhängig von Messmethode, Labor und Alter. Bei Messung nach IFCC bei 37 °C werden für Erwachsene häufig Bereiche beziehungsweise obere Grenzwerte im Bereich von ungefähr 135 bis 250 U/l verwendet.
Einige Labore unterscheiden zusätzlich nach Geschlecht. Andere verwenden für Erwachsene einen gemeinsamen oberen Grenzwert von etwa 250 U/l. Maßgeblich ist deshalb immer der Referenzbereich, der direkt auf dem eigenen Laborbefund steht.
| LDH-Befund | Orientierung | Mögliche Einordnung |
|---|---|---|
| Im Referenzbereich | häufig bis ungefähr 245–250 U/l | Referenzbereich des jeweiligen Labors verwenden |
| Leicht bis mäßig erhöht | bis ungefähr 2-fache obere Normgrenze | unspezifisch; beispielsweise Belastung, Infektion, Leber- oder Muskelschädigung beziehungsweise Hämolyse der Probe möglich |
| Deutlich erhöht | mehrfach über der oberen Normgrenze | ausgeprägter Zellzerfall möglich; Ursache zeitnah anhand weiterer Befunde klären |
| Sehr stark erhöht | z. B. mehr als 3- bis 5-fache obere Normgrenze | kann unter anderem bei ausgeprägter Hämolyse, schwerer Gewebeschädigung, Schock, Sepsis oder bestimmten aktiven Tumorerkrankungen auftreten |
Wichtig: Die Höhe der LDH allein erlaubt keine sichere Diagnose und auch keine zuverlässige Aussage über die Schwere einer Erkrankung. Entscheidend sind Verlauf, Beschwerden und organspezifischere Laborwerte.
Warum kann eine falsch abgenommene Blutprobe die LDH erhöhen?
Eine der wichtigsten Ursachen für einen unerwartet hohen LDH-Wert ist die sogenannte In-vitro-Hämolyse. Dabei werden rote Blutkörperchen erst während oder nach der Blutentnahme beschädigt.
Erythrozyten enthalten deutlich mehr LDH als das umgebende Serum beziehungsweise Plasma. Zerfallen sie im Probenröhrchen, wird LDH freigesetzt und der gemessene Wert kann fälschlich erhöht erscheinen.
Mögliche präanalytische Ursachen
- zu enge Kanüle
- zu hoher Unterdruck bei der Blutentnahme
- starkes Schütteln des Probenröhrchens
- ungünstiger Transport der Probe
- verzögerte Verarbeitung
Was passiert dann?
Ist die Probe sichtbar oder analytisch hämolytisch, kann eine erneute Blutentnahme sinnvoll sein.
Normalisiert sich die LDH bei einer korrekt gewonnenen Kontrollprobe, spricht dies eher für einen präanalytischen Effekt als für eine ausgeprägte Zellschädigung im Körper.
LDH-1 bis LDH-5: Was bedeuten die Isoenzyme?
LDH besteht aus unterschiedlichen Untereinheiten. Daraus entstehen fünf klassische LDH-Isoenzyme, deren Verteilung sich zwischen verschiedenen Geweben unterscheidet.
| Isoenzym | Typische Gewebe | Mögliche klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| LDH-1 | vor allem Herzmuskel, außerdem Erythrozyten und Nieren | kann unter anderem bei Hämolyse oder Herzgewebeschädigung erhöht sein |
| LDH-2 | Erythrozyten und retikuloendotheliales System | Veränderungen können insbesondere bei hämatologischen Prozessen auftreten |
| LDH-3 | unter anderem Lungengewebe und Blutzellen | kann bei bestimmten pulmonalen oder hämatologischen Erkrankungen verändert sein |
| LDH-4 | unter anderem Niere und weitere Gewebe | allein nur eingeschränkt organspezifisch |
| LDH-5 | vor allem Leber und Skelettmuskulatur | kann bei Leber- oder ausgeprägten Muskelschädigungen erhöht sein |
Die Bestimmung der Isoenzyme kann in ausgewählten Situationen zusätzliche Informationen liefern. In der heutigen Routinediagnostik werden zur Organabklärung jedoch häufig spezifischere Marker eingesetzt.
Welche Ursachen kann eine erhöhte LDH haben?
Leber
Hepatitis, ausgeprägte Leberzellschädigung oder andere hepatobiliäre Erkrankungen können die LDH erhöhen.
Muskulatur
Intensive körperliche Belastung, Verletzungen, Muskelentzündungen oder eine Rhabdomyolyse können LDH freisetzen.
Blut / Hämolyse
Bei einer Hämolyse im Körper werden Erythrozyten zerstört. LDH kann dabei zusammen mit weiteren Hämolysemarkern ansteigen.
Lunge
Schwere Erkrankungen des Lungengewebes oder eine Lungenembolie können mit erhöhten LDH-Werten einhergehen.
Schwere Zellschädigung
Schock, Sepsis oder größere Gewebeschädigungen können deutliche LDH-Anstiege verursachen.
Tumorerkrankungen
Bei einigen malignen Erkrankungen kann LDH als Verlaufs- oder Prognosemarker relevant sein. Sie ist jedoch kein eigenständiger Krebs-Suchtest.
LDH im Verhältnis zu AST und ALT: Was kann das Muster zeigen?
Bei einer hepatologischen Abklärung wird LDH nicht isoliert betrachtet. Entscheidend ist, ob gleichzeitig AST (GOT), ALT (GPT), GGT und Bilirubin erhöht sind und wie stark sich die einzelnen Werte verändern.
Ist die LDH im Verhältnis zu AST und ALT auffällig stark erhöht, passt das weniger typisch zu einer isolierten primären Leberzellschädigung. Dann sollten unter anderem eine Hämolyse sowie andere Ursachen ausgeprägter Gewebeschädigung oder Ischämie mitbedacht werden.
Verdacht auf Hämolyse
Eine deutlich erhöhte LDH zusammen mit erniedrigtem Haptoglobin, erhöhten Retikulozyten und erhöhtem indirektem Bilirubin unterstützt den Verdacht auf einen verstärkten Abbau roter Blutkörperchen.
Ischämische Gewebeschädigung
Eine ausgeprägte LDH-Erhöhung kann auch bei größeren ischämischen Gewebeschäden vorkommen. Je nach Beschwerden müssen beispielsweise pulmonale, renale, kardiale oder andere Ursachen gezielt untersucht werden.
Kein eigenständiger Diagnosetest: Ein „LDH/AST-Quotient“ ist kein Ersatz für den klassischen De-Ritis-Quotienten AST/ALT und erlaubt allein weder die Diagnose einer Hämolyse noch eines Organinfarkts. Entscheidend sind die passenden Zusatzmarker und die klinische Situation.
Ist eine hohe LDH automatisch ein Hinweis auf Krebs?
Nein. Ein erhöhter LDH-Wert ist sehr unspezifisch und kommt bei zahlreichen gutartigen und akuten Erkrankungen vor. Eine LDH-Erhöhung allein erlaubt deshalb weder die Diagnose noch den Ausschluss einer Tumorerkrankung.
Bei bestimmten bereits diagnostizierten Krebserkrankungen kann LDH dagegen als Verlaufs- oder Prognosemarker eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise einige Lymphome und andere Tumorerkrankungen mit hohem Zellumsatz.
Wichtig: LDH eignet sich nicht als alleiniger Screeningtest auf Krebs. Ein erhöhter Wert muss immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Blutbild, weiteren Organwerten und gegebenenfalls Bildgebung beurteilt werden.
Welche Werte helfen bei erhöhter LDH weiter?
Da die Gesamt-LDH nicht zuverlässig zeigt, woher die Erhöhung stammt, werden zusätzliche Marker gezielt nach dem vermuteten Organsystem ausgewählt.
| Möglicher Ursprung | Hilfreiche Zusatzwerte | Typische Fragestellung |
|---|---|---|
| Leber | AST (GOT), ALT (GPT), GGT, Bilirubin | Hinweise auf Leberzell- oder hepatobiliäre Schädigung |
| Muskulatur | CK gesamt, gegebenenfalls Myoglobin | Abklärung einer Muskelverletzung oder ausgeprägten Muskelschädigung |
| Hämolyse | Haptoglobin, Retikulozyten, indirektes Bilirubin, Blutbild | Hinweise auf einen verstärkten Abbau roter Blutkörperchen |
| Herz | Troponin T oder I, je nach Situation weitere kardiale Marker | Troponin ist bei Verdacht auf akute Herzmuskelschädigung wesentlich spezifischer als LDH |
| Infektion / Entzündung | CRP, Blutbild | Einordnung entzündlicher oder infektiöser Prozesse |
Kann Sport die LDH erhöhen?
Ja. Intensive körperliche Belastung kann Muskelzellen vorübergehend beanspruchen und dadurch sowohl LDH als auch CK erhöhen.
Nach einer intensiven, aber unkomplizierten Belastung kann sich die LDH häufig innerhalb von etwa 24 bis 72 Stunden wieder dem Ausgangswert annähern. Das genaue Zeitfenster hängt jedoch stark von Trainingsart, Intensität, Trainingszustand und dem Ausmaß der Muskelbeanspruchung ab.
Nach extremen Ausdauerbelastungen, ausgeprägtem Muskelkater, Muskelfaserschäden oder einer Rhabdomyolyse können LDH und insbesondere CK deutlich länger erhöht bleiben. Für eine geplante Kontrollmessung sollte die Arztpraxis deshalb über außergewöhnlich intensives Training in den vorangegangenen Tagen informiert werden.
Wann sollte eine erhöhte LDH kontrolliert werden?
Bei einer isolierten LDH-Erhöhung ohne Beschwerden kann zunächst geprüft werden, ob die Probe hämolytisch war. In diesem Fall kann eine korrekt durchgeführte Wiederholungsmessung sinnvoll sein.
Isoliert und leicht erhöht
Kontrollmessung und Prüfung möglicher Einflussfaktoren wie Sport, Medikamente oder Probenhämolyse können sinnvoll sein.
Deutlich oder zunehmend erhöht
Weitere Organ-, Blut- und Entzündungswerte sowie die klinische Situation sollten zeitnah ärztlich beurteilt werden.
Wann sofort medizinische Hilfe nötig ist
- plötzliche Brustschmerzen oder Atemnot
- Ohnmacht oder schwere Kreislaufprobleme
- neu auftretende Lähmung, Sprachstörung oder andere neurologische Ausfälle
- starke Schwäche zusammen mit Gelbfärbung von Haut oder Augen
- sehr dunkler Urin zusammen mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- starke Muskelschmerzen oder Muskelschwäche mit dunklem Urin
Bei schweren oder plötzlich auftretenden Beschwerden sofort 112 wählen.
So bereiten Sie das Arztgespräch vor
- vollständigen Laborbefund mitbringen
- aktuellen LDH-Wert und obere Normgrenze des Labors vergleichen
- frühere LDH-Werte zum Vergleich bereithalten
- fragen, ob die Blutprobe hämolytisch war
- intensive sportliche Belastung der letzten Tage angeben
- aktuelle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel nennen
- Leber-, Muskel-, Blut- oder Tumorerkrankungen in der Vorgeschichte erwähnen
- Begleitsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Muskelschmerz oder Gelbsucht beschreiben
Häufige Fragen zu erhöhten LDH-Werten
Verlässliche Informationen zur LDH
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